Kulturschock

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Bevor wir abgereist sind hat meine Firma noch ein interkulturelles Training bezahlt. Die Dame war sehr gut und hat uns vorgewarnt, dass auch wenn Pinky dort schon gelebt hat und ich dort schon ein halbes Jahr verbracht habe, sich ein Kulturschock einstellen könnte.

Nun der Umzug nach Hoboken ist seit einem Monat vorbei und langsam legt sich der immense bürokratische Akt sowie die Umzugsnachwehen. Jetzt sind noch die Dinge übrig, die dauern: Wir brauchen eine Schlafzimmerlampe, ein Regelsystem für den Schrank im Gästezimmer, das Hausnetzwerk geht noch nicht und Pinky braucht noch ihre Social Securitynummer und Ihr Arbeitsvisum…

Aber wir haben uns jetzt erstmal schön eingerichtet, alles funktioniert, sodass man gut leben und sich zu hause fühlen kann. Dann wurde mir aber erst mal unterbewußt klar, so schnell fahren wir jetzt nicht mehr nach hause. Hier ist jetzt zu Hause. Dabei gibt es hier so vieles was mich jetzt mehr aufregt, als vor 18 Jahren.

Als Pinkys Freunde sich früher über die deutschen Eigenarten aufgeregt haben, dachte schon manchmal innerlich – dann fahrt halt heim. Wenn früher im Campingurlaub das Wetter schlecht war oder das Wasser ausgefallen ist, sind wir früher heimgefahren. Man verlässt das Land des Chaos oder der Unfreundlichkeit und das Problem ist gelöst!

Geht aber manchmal nicht so einfach. Ich will auf keinen Fall wieder sofort heim, aber jetzt gilt es sich erstmal mit ein paar Dingen abzufinden.

Marx hatte Recht – der Kapitalismus ist zum Scheitern verurteilt:

  1. Gemeingut ist Keingut. Uns ist vor zwei Wochen das Wasser erstmal ausgefallen. Eine Hauptrohrleitung ist geplatzt, wodurch ganz Hoboken und Teile von Jersey City für Tage ohne Wasser waren. Das ging damals im kommunistischen Jugoslawien schneller, dass das Wasser wieder da war. In meinem ganzen Leben in Deutschland war noch nie das Wasser weg, außer der Hausmeister hat einen Filter gewechselt. Ein paar Tage später ist wieder eine Leitung geplatzt, das hat zum Glück nur Teile der Stadt betroffen und nicht uns.
  2. Stromleitungen gehen direkt an unserem Fenster vorbei. Beim nächsten Schneesturm oder Hurrikan ist der Strom weg. Das ist jetzt schon klar, warum kann man die Leitung nicht im Boden verlegen? Das Viertel hier ist nagelneu.
  3. In Arbeit ist ein Thema, dass den Kunden auf den Highways die Reifen kaputt gehen, da sie in ein Schlagloch fahren, dass os heftig ist, dass die Reifenflanken aufplatzen. Jetzt zahlen wir hier aber alle horrend Maut jeden Tag. Wo geht die Kohle eigentlich hin? Wie so kann man die Strassen nicht ein wenig früher teeren, bevor durch Risse der Belag abplatzt?
  4. Das Land hat grosse Rassenprobleme, die aus meiner Sicht daherkommen, dass sich nur Leute mit Geld eine gute Schulausbildung leisten können. Nachdem der Staat jetzt allen eine Finanzierung für eine Ausbildung garantiert und jeder an einen Kredit kommt, haben die Unis die Gebühren derart verteuert, dass sich selbst der Mittelstand auf Jahre verschuldet.
  5. Es gibt hier pro Tag ein Shooting Drama, die bekommt man in den Medien gar nicht mehr mit, und die Mehrheit der Amerikaner  möchte genau aus dem Grund selbst eine Waffe, damit man diese Angreifer selbst niederstrecken kann. Allerdings verkauft man vorher Leuten, die wegen Terrorverdacht nicht fliegen dürfen, automatische Waffen. Ein Gesetzentwurf, der das reguliert, wurde am Tag des letzten Shooting in St. Bernadino abgelehnt.

Mir ist klar, dass der Sozialismus noch viel schlimmer ist, aber vielleicht trifft man sich irgendwo in der Mitte, so eine Art Sozialstaat mit Marktwirtschaft vielleicht?

Wenn sich jemand über deutsche Politiker aufregt, der sollte gleich mal ein paar Jahre ins Ausland geschickt werden.

Vor 18 Jahren war das alles noch kein Thema, weil ich kein Public Radio gehört habe (verdirbt hier einem echt die Laune) und weil es noch kein so vielseitiges und inhaltsreiches Internet gab.

So jetzt aber genug aufgeregt und erst mal reintegrieren in die Gesellschaft. Müssen die Syrer ja jetzt in Deutschland auch machen. Ist bestimmt auch nicht einfach, aber wie mach ich das? In Bayern tritt man in den Schützenverein ein. Das wäre doch was, die Syrer alle in einen Schützenverein stecken. Erstmal gibt’s aus Sicherheitsgründen aber nur für jeden ein Luftgewehr.

Aber gerade das ist ja das schöne auch an einem Auslandsaufenthalt und aus meiner Sicht die wichtigste Erfahrung. So sehr man sich auch aufregt und windet, man muss lernen zu akzeptieren, dass Andere anders sind. Die Anderen änder sich auch nicht, wenn man sich aufregt. Integration heißt Toleranz und das funktioniert nur, wenn beide Seiten sich tolerieren.

So jetzt zu unserer Integration. Pinky ist schon voll beschäftigt. Das war in München so und ist hier so, die Freizeit ist meistens verplant. Sie ist jetzt in so einer Art Hyper-Gamelan-Fieber und ich freue mich, dass sie so große Fortschritte macht. Bald tritt sie im Metropolian Museum auf.

Meinen Fotoverein von damals gibt es immer noch, aber jetzt wohnen wir hier in Hoboken so weit weg und irgendwie bin ich deren Bildsprache entwachsen.

http://www.ridgewoodcameraclub.net/index.php

Ich werde mich in Manhattan nach einer Fotogruppe umsehen, jetzt wo wir so nah an der Stadt wohnen.

Oben seht Ihr die ersten Foto-Gehversuche vom letzten Samstag aus dieser herrlichen Stadt. Die Wintersonne taucht die Stadt in eine Art Bühnenlicht und man kann so sehr schön Strassenszenen einfangen.

Die nächsten Posts werden eher bilderlastig. Ich habe jetzt die alten Dias von damals auf dem Tisch und der Scanner funktioniert inzwischen.

 

 

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