Die Ankunft

Die eher anstrengende Ankunft hatte natürlich einen grossen Vorteil: es konnte nur besser werden. Ich hatte damals mehr Respekt vor den Schritt ins Unbekannte wie heute, wo ich mit einem grossartigen, dreijaehrigen Revival rechne.

Unsere jetztige Ankunft verlief dagegen wie schon beschrieben sehr angenehm. Ich wusste halt jetzt schon auf was man achten muss und hatte mehr Rückhalt durch die Firma.

1997 begann dann schnell eine Zeit der schnellen, kleinen Alltagsherausforderungen und der ersten Erfolge. Wieviel Oz sind 100g? Wie mache ich mich an der Wursttheke verstaendlich? Was von dem kuenstlich aussehenden Zeug mag man eigentlich Essen? Ich habe damals nur Prosciutto gekauft, weil der Rest so eklig war.

Mein English war grauenhaft. Erstens, weil ich zweimal deswegen in der Schule durchgefallen bin, und zweitens, weil wir in der Schule alles moegliche an Grammatik gelernt haben- aber Konversation haben wir nie trainiert. Es gingen jeden Tag schneller voran, als frueher in einem halben Jahr Englischunterricht.

Die groesste Herausforderung damals war das Autofahren. Als ich das erstemal alleine nach Mannhattan gefahren bin, schlug mir der Puls bis zum Hals. In dem Gewirr aus Interstates, Highways und Bruecken, hat man sich schnell verfahren. Das ist selbst heute mit Navi noch eine ordentliche Herausforderung. Es ist mir heute ein Raetsel wie ich das ohne Beifahrer, nur mit Kartenmaterial geschafft habe. An dieser Stelle zolle ich meinem 24 jaehrigen Erinnerungs-Ich Respekt, denn die Nerven haette ich heute nicht mehr. Sich mal schnell zu verfahren und zu versuchen in den Bronx oder Harlem den Highway zu wechseln, war nicht so einfach. Oft gab es Abfahrten, aber keine Auffahrt mehr. Dann stehst dann mit dem NJ Kennzeichen in der Bronx und versuchst Dich in der Karte zurechtzufinden. Heute ist NYC deutlich sicherer als damals, selbst wenn man da landet ist es halb so wild.

2015 ist vieles einfacher, weil ich nicht mehr alleine bin. Pinky dabei zu haben, ist eine ganz andere Erfahrung und ein grosser Gewinn. Mit Navi und Beifahrer ist es zwar immer noch eine Herausforderung in die Stadt zu fahren, aber es geht schon deutlich besser.

Die ersten Wochen in 1997 waren  schon ein wenig einsam. Jetzt hat man immer jemand um sich, der einen aehnlichen Geschmack und Sinn fuer die Dinge hat, und mit dem man die Erlebnisse teilen kann.

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Am Sonntag sind wir dann gemuetlich nach Manhattan gefahren, um im Central Park spazieren zu gehen. Und wie damals war es ein wirklicher Gaensehautmoment ueber George Washington Bridge zu fahren und die Skyline vor einem zu sehen. Wir hatten einen herrlichen Tag im Park und in der Stadt. So organisch NYC waechst so wild und schoen ist dieser Park. Man endeckt hier jedesmal eine neue Ecke und die Unterhaltung von Strassenkuenstlern hat dort TV-Niveau.

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Nach dem Parkspaziergang gingen wir in einer kleinen Suppenkueche essen, schlueften koestlichen Cappucino in einem kleinen Caffee neben an auf der Columbus Ave. Kauften in einem Tante Emma Laden fuer gluteinfreies Essen Keckse und Bagels fuer Pinky und zogen gemuetlich weiter, bis wir alte Freunde aus Muenchen zum Essen trafen.

Da war es dann wieder dieses alte, schoene NY-Gefuehl, das Entspannung und Erleben so wunderbar vereint. Die Stadt zieht einen so in Ihren Bann, dass man  in seiner Faszination ganz im Moment lebt. Nichts zaehlt ausser hier zu sein und dem Teiben dieses Kosmos zuzusehen.

Billig ist sie nicht die Stadt, aber das macht nichts. Ich bin mit dem heutigen Tag endlich in der Mitte der amerikanischen Gesellschaft angekommen: es kam meine Social Security Number und meine Kreditkarte an. Ich habe noch nie ueber eine Kreditkarte gefreut – jetzt schon. Ohne eine Kreditkarte, wie gesagt ist man hier nicht Teil des kapitalistischen Systems und damit haben mich die Amerikaner schon am Wickel. Jetzt wird erstmal geshoped. TV, AVR, Staubsauger, Toaster, Wasserkocher – mit Rabattkarten und Cashback auf die Kreditkarte. Um mit diesem Cashback wieder zu shoppen…

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